Teil 2 – Aktive Flieger in Borispol (KBP)
Der verkehrsreichste Tag an diesem Fußballwochenende sollte – wie nicht anders zu erwarten war – der Samstag werden. Gepaart mit dem normalen Traffic, der jeweils gebündelt am frühen Morgen und am späten Nachmittag stattfindet, war damit das Ausflugsziel an diesem Tag gesetzt.
Bei Südwind-ops wäre bei der Nord-Süd Ausrichtung der Bahn(en) relativ viel vom Bereich um die Autobahn M3 stresslos im Anflug machbar gewesen. Doch es herrschte Ostwind und man entschied sich in Richtung Norden zu operieren. Alles „hätte, wäre, wenn“ war also Makulatur und die Tatsache, dass sehr viel Fußballverkehr zur lichttoten Zeit einschweben würde, machte die Sache nicht besser.
Ich hatte es also mit gleich einer ganzen Ladung voll Widrigkeiten zu tun, die es irgendwie bestmöglich zu beherrschen galt. Zum einen stand mir ein mehrstündiger Fußmarsch in die Ukrainische Wildnis bevor; dann das zu erwartende Hitzeflimmern, Busse und Metros fahren Samstags erst eine Stunde später als in der Woche, viele interessante Flieger würden direkt von hinten angestrahlt sein etc... Sollte ich kampflos aufgeben bevor die Schlacht überhaupt begonnen hat? NIEMALS!
Wegen des anstehenden Fußmarsches (alles in allem hin und zurück rund 26 Kilometer) werden sicherlich einige Leute lästern von wegen: „das hat er nun von seinem Geiz in Sachen Verzicht auf Taxi...). Den Besserwissern sei verraten, dass ich mir mit Sicherheit ein Taxi genommen hätte, wenn es denn eines gegeben hätte dessen Fahrer sich bereit erklärt hätte die üblen Schlaglochpisten ins Outback zu befahren. Und wenn ich überhaupt vorab genau gewusst hätte wo ich eigentlich hin will. Letzteres war mir nämlich nicht 100%ig klar und sollte erst an Ort und Stelle entschieden werden. Heute wüsste ich es und würde wohl tatsächlich so lange auf den Fahrer einreden (respektive mit Geld ködern), bis er freiwillig sein Fahrzeug für mich ramponiert. Aber wie soll man das von jemandem verlangen, dem man noch nicht einmal ein konkretes Ziel nennen kann?!?
Reichlich viel später als geplant erreiche ich also das kleine Städtchen Borispol. Die Verbindung mit Metro und Kleinbus hat eigentlich super geklappt. Nur eben rund zwei Stunden verzögert. Zu allem Übel bin ich versehentlich auch noch eine Station zu früh ausgestiegen, da ich glaubte dass der Bus einen vermeintlichen Stop an der Autobahn ausgelassen hatte und ich diesen fälschlich mitzählte. Pech gehabt; also 1,5 Kilometer mehr laufen und den Morgenrush an AUI-Fliegern auslassen (die kommen ja aber sowieso am Nachmittag alle wieder)
In inzwischen sengender Hitze marschiere ich zunächst über ordentliche Strassen nach Süden. Kurz bevor ich auf eine unbefestigte Piste abbiegen muss jagt ein gut besetzter Kleinbus an mir vorbei. Aha, bis hierher hätte man also tatsächlich mit dem Bus fahren können. Nicht ärgern Junge, es hätte auch Bindfäden regnen können. Aber von nun an – so scheint es – bin ich alleine. Die Schotterpiste mündet auf einen aus Betonplatten bestehenden „Panzerweg“. Und Panzer scheinen diese an sich massive Befestigung in früheren Zeiten auch eifrig genutzt zu haben, denn mindestens jede 10 Platte ist zerbrochen und weist tiefe Schlaglöcher auf. Als Fahrstrasse ist das ganze wirklich nur für Leute gedacht, die ihr Auto überhaupt gar nicht lieb haben. Oder eben für Geländewagen...
Nach rund 2,5 Stunden erreiche ich einen Knick und kurz darauf habe ich freie Sicht über einen frisch angepflanzten Acker, in dessen Mitte tatsächlich eine Hand voll Spotter stehen. Genau so habe ich mir das vorgestellt: Im Anflug stehen und gleichzeitig freies Schussfeld aufs Line-up. Möglichst ohne viel Jungpflanzen zu zertrampeln begebe auch ich mich auf den staubtrockenen Acker um festzustellen, dass es trotz der eigentlich sehr geringen Entfernung ganz entsetzlich flimmert.
Die folgenden Stunden bescheren mir eine tiefe Sinnes- und Glaubenskrise. Am Anfang gehen ja noch ein paar brauchbare Bilder zu machen, aber sehr schnell kann ich nur noch qualitativen Schrott produzieren. Beim auf die Bahn rollen haben die Flieger zwar noch recht lange gutes Licht, sind aber so sehr verflimmert, dass es einem graust. Und im Anflug wird aus „[wtf?!]“ recht bald „gar kein Licht“. In Ermangelung einer anderen Beschäftigung und aufgrund der Tatsache, dass genau jetzt im Minutentakt die Fußballfans einschweben, kann ich ab und zu trotzdem nicht die Finger vom Auslöser lassen. Aussehen tut das dann aber so:

LN-WDJ at Kiev - Borispol
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EC-MQK at Kiev - Borispol
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TR-KGM at Kiev - Borispol
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YR-SEB at Kiev - Borispol
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Als mir auch die letzten Argumente ausgehen um die Sache noch irgendwie schön zu reden, beschließe ich mich auf den Weg zur Nachmittagsseite zu machen, ein schattiges Plätzchen zu suchen und eine kleine Mittagsruhe einzulegen. Irgend etwas zu tun erscheint mir sinnvoller als in praller Sonne auf einem staubtrockenen Acker Flugzeuge zu begaffen, die völlig unaufnehmbar sind. Und so marschiere ich aufs gerade mal los...
Insgeheim spekuliere ich darauf, dass ich vielleicht ein paar Spotterkollegen davon überzeugen könnte, mich später aus dieser unwirtlichen Gegend heraus mitzunehmen. Und es sieht für einen Augenblick lang gar nicht so schlecht aus für meine Rückkehr in die Zivilisation. Ein Ukrainischer Mitstreiter, den ich vor zwei Tagen in Zhulyany traf, taucht plötzlich mit seinem Kumpel auf just in dem Moment, als ich die Nachmittagsseite erreiche. Aber anstatt mit mir bei Smalltalk auf gutes Licht für den Nachmittagsverkehr zu warten, lässt er mich wissen, dass er jetzt nach Zhulyany müsse um seinen Flieger heim nach Dnipro noch zu erwischen. Er wollte sich nur noch kurz von mir verabschieden. Peng machte es und die Seifenblase zerplatzte. Ganz bestimmt hätten mich die beiden mitgenommen, aber auf rund 30 AUIs und einige durchaus noch interessante Flieger bei endlich gutem Licht kann und will ich nicht verzichten. Ein weiteres Fahrzeug mit Spottern (das einzig verbliebene weit und breit) macht sich im wahrsten Sinne des Wortes vom Acker, als die Lichtverhältnisse wirklich gut werden. Es ist aber so wie so schon voll besetzt und für die „Straßenverhältnisse“ praktisch überladen. Somit habe ich den späten Nachmittag bzw. frühen Abend ganz für mich alleine. Und das mit der Gewissheit, noch ein ausgedehntes Fitnessprogramm in Form eines mehrstündigen Fußmarsches absolvieren zu dürfen. Wenigstens war ein Großteil meiner Trinkwasser-Vorräte aufgebraucht und der Rucksack etliche Kilo leichter als noch auf dem Hinweg.
Zu meiner Rückkehr in erschlossenes Terrain sei abschließend nur noch erwähnt, dass ich die letzten zwei Kilometer tatsächlich mit einem Bus zurücklegen konnte. Schwer unterhopft und mit einer Blase von der Größe einer 2€ Münze am rechten Haxen schleppte ich mich mit aller Mühe in einen Kaufmannsladen...
Hier nun eine kleine Auswahl derer Bilder, die ich zumindest für halbwegs zeigenswert halte. Der Einfachheit halber in keiner bestimmten Reihenfolge...

4K-AZ79 at Kiev - Borispol
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4L-TGM at Kiev - Borispol
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9H-AVM at Kiev - Borispol
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9H-IDB at Kiev - Borispol
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9H-JOY at Kiev - Borispol
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9H-YES at Kiev - Borispol
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UR-WRM at Kiev - Borispol
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9H-AEN at Kiev - Borispol
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D-AGRA at Kiev - Borispol
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D-AZUA at Kiev - Borispol
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EC-KUM at Kiev - Borispol
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EC-LFS at Kiev - Borispol
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EC-LZO at Kiev - Borispol
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EC-MTY at Kiev - Borispol
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F-GRSQ at Kiev - Borispol
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F-HRAV at Kiev - Borispol
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G-TWIY at Kiev - Borispol
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JY-JAX at Kiev - Borispol
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LY-KLJ at Kiev - Borispol
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LY-VET at Kiev - Borispol
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LZ-AOB at Kiev - Borispol
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M-YULI at Kiev - Borispol
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N79AY at Kiev - Borispol
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OE-ILK at Kiev - Borispol
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OE-IMI at Kiev - Borispol
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PH-OYI at Kiev - Borispol
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SP-SPE at Kiev - Borispol
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SX-ATF at Kiev - Borispol
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SX-RFA at Kiev - Borispol
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TC-JJL at Kiev - Borispol
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UR-CNP at Kiev - Borispol
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UR-DNR at Kiev - Borispol
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UR-EMC at Kiev - Borispol
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UR-GOA at Kiev - Borispol
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UR-GEA at Kiev - Borispol
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ob 900, 800, 500 oder 300; beim AUI-Rush ist alles dabei..

UR-PSI at Kiev - Borispol
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UR-PSX at Kiev - Borispol
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UR-GAT at Kiev - Borispol
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UR-GBA at Kiev - Borispol
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UR-UTQ at Kiev - Borispol
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UR-WRH at Kiev - Borispol
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UR-WRM at Kiev - Borispol
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UR-WRT at Kiev - Borispol
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YR-BMA at Kiev - Borispol
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Und last not least haben auch noch zwei Südafrikaner in unterschiedlicher Länge eifrig mitgemischt…

ZS-SXW at Kiev - Borispol
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ZS-SXI at Kiev - Borispol
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Wer mag, kann mich dann im dritten Teil noch einmal zum Zhulyany Airport zu den aktiven begleiten.

